Bewertung der Gefahrstofftabelle

 

Gemessene Mittelwerte in µg/m³ (BaP in ng/m³)
Prozentwerte von Schadstoffen im Verhältnis zu gemessenem Nikotingehalt

 

Restaurant

Kneipe

Disco

Nicotine

21,3

100,00%

53,7

100,00%

226,6

100,00%

Bencene

11,3

53,05%

17,3

32,22%

24,4

10,77%

Formaldehyde

14,4

67,61%

23,3

43,39%

47,2

20,83%

Banzo(a)pyrene /1000

1,7

7,98%

3,8

7,08%

4,8

2,12%

Schadstoffwerte sinken im Verhältnis zu Nikotin bei steigenden Nikotinwerten!

 

Diese stark verkürzte Version der Gefahrstofftabelle zeigt eindeutig dass:

  1. gemessene Nikotinkonzentrationen in Restaurants sehr gering sind und sich ungefähr mit Messungen im Ausland decken.
  2. die aufgesuchten Discos extrem schlecht belüftet waren: Nikotingehalte waren um den Faktor 10 höher, als in Restaurants und können in dieser Konzentration nur entstehen, wenn die vorgeschriebene Luftaustauschrate weit unterschritten wird.
  3. zweifellos Tabakrauch die aufgeführten Schadstoffe enthält.
  4. genauso zweifellos auch ohne Tabakrauch eine Hintergrundbelastung der Schadstoffe vorhanden war und zwar bei Benzol und Formaldehyd wenigstens 10µg/m³ und bei BaP  1,5ng/m³. Sonst müssten sich die Schadstoffe in schlecht belüfteten Discos genauso verzehnfachen, wie Nikotin. Das zeigt sich übrigens noch deutlicher in der zu Grunde liegenden Untersuchung für die Summenwerte von PAH's ond VOC's, wenn auch deren zustandekommen nicht nachvollziehbar dokumentiert ist.

Schliesslich ist auch gut möglich, dass für die Zunahme von Schadstoffen mit dem Nikotingehalt in der Luft ausserdem auch noch andere, nicht untersuchte, Begleitumstände verantwortlich sind (sh. unten)

 

Benzol wird vom KFZ-Verkehr in immensen Mengen ausgestossen. Dazu wird in einem Forum richtig kommentiert:

Selbst Benzol, bei dem ein Kausalzusammenhang für die Entstehung von Krebs beim Menschen als ausreichend gesichert gilt, erreichte im extremsten Fall nur 1,5% der technischen Richtkonzentration. Dabei sind technische Richtkonzentrationen i.d.R. bereits mit einem hundertfachen Sicherheitsfaktor ausgestattet.  
Da Benzol (wie auch viele der anderen gemessenen Substanzen) in unseren Städten allgegenwärtig ist (Strassenverkehr), darf man annehmen, dass der Parkplatz hinter der Disko einen erheblichen Beitrag dazu geleistet hat.  
Die Besucher sind offensichtlich auf ihrem Weg von und zur Disko wesentlich grösseren Risiken ausgesetzt als in der Disko selbst.

 

Formalehyd wird alleine von den BASF in Mengen von ca. 500.000 Tonnen jährlich produziert und ist alltäglicher Bestandteil von technischen Produkten. Darüber hinaus ist es ein Stoffwechselprodukt, das der menschliche Körper selbst in vergleichsweise dominierenden Mengen produziert. Ein Chemiker schreibt dazu:

Formaldehyd ist meiner Meinung nach so ubiquitär, in Kunstharzen, Klebern, Spanplatten, Isoliermaterial, Desinfektionsmitteln etc., daß man das nur SEHR vorsichtig in Zusmmenhänge mit Tabakrauch bringen kann.
 
Nicht zu vergessen ist aber, in Bezug auf Gaststätten, die Tatsache, daß alkoholische Getränke die absolut dominierende Quelle in Gasthäusern sind, und zwar direkt und auf Umwegen:
Bei allen alkoholischen Gärprozessen entsteht auch Methanol, besonders viel ist in Obstbränden.
Dieses Methanol wird vom Trinker selbst rasch und vollständig in Methanal (Formaldehyd) umgesetzt. Das ist wieder ein Giftungsprozess, wie beim Benzol: Nicht das Methanol (Holzgeist) ist giftig und führt in hohen Dosen zu Erblindung und Tod, sondern das Abbauprodukt, das der Körper erzeugt, um den Stoff zu 'verbrennen' und loszuwerden! Am Schluß des Prozesses bleibt dann Ameisensäure und die wird mit dem Urin ausgeschieden.  ( Nebenbei bemerkt gibt man Patienten mit Methanolvergiftung deshalb grosse Mengen Alkohol, also z.B. Wodka, zu trinken, weil dadurch dieser Giftungsprozess durch die Konkurrenz des Ethanols blockiert wird)
Hier reden wir also von Formaldehyd bis in den Dezigrammbereich, die der Mensch sowieso aufnimmt, da spielen ein paar Mikrogramm aus anderen Quellen kaum eine Rolle.
 
Zum zweiten ist Methanol hochflüchtig und neigt auch noch zur spontanen Oxidation (katalytisch gefördert wird mit Luftsauerstoff Formaldeyd gebilded). Auch die Trinker dürften, neben Alkohol, Formaldehyd ausatmen.
In einem Gasthaus ist also, aus den Gläsern, immer recht viel Methanol und, in geringerem Maß auch Formaldehyd in der Luft, dadurch werden alle Personen im Raum in gewissem Maß zu 'Passivtrinkern' mit den obengenannten Konsequenzen.
 
Es wäre naheliegend, den Schluß zu ziehen, daß dort, wo viel geraucht wird, auch viel getrunken wird und DESHALB die Formaldehyd-Konzentration höher ist. Zur Prüfung dieser These müsste man zusätzlich den Ethanol- und Methanolgehalt der Luft messen und sehen, ob es Korrelationen gibt.

In Wohnungen hat das LfU (Mitverfasser der hier bewerteten Studie) einen Median von 70 µg/m³ (hier 47 in Diskotheken) und ein 95%-Pertenzil von 161µg/m³ Formaldehyd (hier max. 86 in Diskotheken) fest gestellt und zählt es dort nicht zu den VOC's.
(
http://www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_46_organische_luftschadstoffe_innenraeume_messung_bewertung.pdf  letzte Zeile der Tabelle auf Seite 14)

Cadmium wurde zwar in der Studie gemessen, die Messwerte jedoch nur teilweise in der Vorveröffentlichung dokumentiert. Der gemessene Maximalwert in Diskotheken (16ng/m³) war geringer, als in Kneipen (27ng/m³), obwohl in einer Diskothek ein unglaublich hoher Nikotinwert von 450µg/m³ erfasst wurde - im Gegensatz zum Maximalwert in Kneipen mit 180µg/m³ (Mittelwert 53µg/m³). Eine Erklärung dazu wird nicht abgegeben. Das ist aber auch nicht nötig, weil selbst der extreme Messwert in einer Kneipe nur bei 0,5% eines diskutierten Grenzwertes liegt.

Isopren  wird von vielen Bäumen und Phytoplankton produziert; der Grund dafür ist aber nicht geklärt. Es ist ein Derivat von Vinylchlorid. So die Wikipedia. Die DFG schlägt einen Grenzwert von 8500µg/m³ vor.
1,3-Butadien (=Vinylchlorid) wird von der Tabakkontrolle als Kanzerogen im Tabakrauch gelistet und konnte bei der gegenständlichen Studie in der Grössenordnung von 0,01 (Null Komma Null Eins) Prozent der zur Diskussion stehenden Grenzwerte (sie reichen von 1.000...42.000µg/m³)  nachgewiesen werden, allerdings ohne Korrelation zu Nikotin.

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