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Stellungnahme
zu: Exposure
to Secondhand Smoke and Biomarkers of Veröffentlicht im
“Circulation” der American Heart Association. (ISSN: 1524-4539)
Die Studie untersucht
den Zusammenhang zwischen Cotinin im Blut einerseits und CRP, Homocystein,
Fibrinogen und WBC andererseits. Sie will damit einen Zusammenhang
herstellen zwischen Umgebungsrauch und Gefässkrankheiten. -
Cotinin gilt als wichtigster Marker
für eine Belastung durch Nikotin und damit Tabakrauch. -
CRP: C-reaktives Protein ist
als Indikator für Entzündungen anerkannt. Bei sonst gesunden Menschen
gelten erhöhte Werte als Risikofaktor für Arteriosklerose. Als normal
gelten Werte bis 10mg/l. -
Homocystein gilt als
Risikofaktor für Gefässkrankheiten bei Werten über 15µmol/L. -
Fibrinogen dient der
Wundheilung und ist erhöht bei entzündlichen Prozessen. Neuerdings gilt
allerdings Fibrinogen auch als Risikofaktor für Gefässkrankheiten. -
WBC (White Blood Cell count) ist
die Anzahl weisser Blutkörper. Auch sie vermehren sich bei Entzündungsprozessen.
Der Normwert liegt zwischen 1.8 und 3.5 g/l. Das sind
180-350 mg/dL (Mittelwert also 265 mg/dL) Als Risikofaktoren gelten in der Medizin Messwerte, die mit Krankheiten korrelieren auch dann, wenn ein ursächlicher Zusammenhang nicht nachgewiesen wurde. Bereits einleitend
besagt die Studie, dass Cotinin weder mit
erhöhten Werten bei CRP, noch WBC einher geht. Für Homocystein wird
bei geringen Cotininwerten eine Erhöhung von 0,8µmol/L angegeben. Für Fibrinogen wird
eine Erhöhung von 8,9mg/dL bei geringen Cotininwerten konstatiert (geschätzt?). Die Studie hat aus
einem Gesamt-Datensatz von 39.695 Individuen (NHANES III aus den Jahren
1988-1994) letztlich 7.599
Datensätze ausgewählt, die folgenden Kriterien genügten: -
Alter mindestens 17 Jahre -
Weniger als 100 Zigaretten, 20
Zigarren oder 20 Pfeifen im ganzen Leben geraucht -
Cotinin-Messwerte waren verfügbar -
Kein Tabakkonsum in den letzten 5
Tagen Die Nachweisgrenze für
Cotinin lag bei 0,05 ng/mL. Die im Durchschnitt gemessene
Cotininkonzentration lag bei 0,215 ng/mL. (Das 4,3-fache der
Nachweisgrenze) Klassifiziert wurde: -
Cotinin nicht nachweisbar (No
Cotinin) -
Niedriges (Low) Cotinin: 0,05-0,215 ng/mL -
Hohes (High) Cotinin: mehr als
0,215 ng/mL Komplizierte
mathematische und statistische Methoden kamen zur Anwendung. Confounder
wurden nach allen Regeln der Kunst berücksichtigt. Ein Highlight ist
Tabelle 1. So etwas findet man sonst selten. Dazu einige Kommentare: Zuerst zu den
verbalisierten „Ergebnissen“: -
Frauen sind stark überrepräsentiert
(68%) -
Das Durchschnittsalter war ungewöhnlich
niedrig: 38 Jahre -
Nur bei 18% der Probanden war kein
Cotinin nachweisbar. -
Der gemessene Durchschnittswert von
0,215 ng/mL bezieht sich auf die 78%, bei denen Cotinin nachweisbar war. -
Die angegebene Erhöhung von
Homocystein und Fibrinogen war bei viel (high) und wenig (low) Cotinin
ungefähr gleich (similar Magnitude). Sie zeigte
also keine Abhängigkeit von der Dosis! -
Die Erhöhung von Fibrinogen wurde geschätzt
auf 9 bis 10 mg/dL. Das wären 3,5% vom normalen
Laborwert mit einer Streuung von 180 bis 350. -
Die Erhöhung von
Homocystein war 0,8 µmol/L. Das wärten 10% vom
normalen mittleren Laborwert, der mit 5-10 streut und ab 15 als
bedenklich gilt. -
WBC waren
eigentlich deutlich geringer bei messbarem Cotinin, aber nicht mehr
so signifikant geringer nach Abgleich mit potentiellen Confoundern. -
Aktive Raucher haben (bei
einem Stichprobenumfang von 4990 aus demselben Datensatz) einen
durchschnittlichen Cotininwert von 208 ng/dL. Das ist wirklich signifikant
und das ist der 1000-fache Wert von dem der hier
untersuchten Nichtraucher! Die gemessenen Cotininwerte sind dermassen
gering, dass eine deutliche Beeinflussung durch Verzehr von Tomaten und
Kartoffeln zu vermuten ist. Zur Tabelle 1 selbst: -
Von den Probanden waren insgesamt
63,9% Alkohol-Abstinenzler, bei hohem Cotinin „nur“ 58,5%. Ist das repräsentativ? Alkohol gilt in gemässigten
Mengen als Schutzfaktor gegen Gefässkrankheiten. -
Während ohne Cotinin eine
Vorgeschichte mit Bluthochdruck zu 28,6% bestand, war das bei hohem
Cotinin nur bei 21,8% der Fall. Darüber verliert
der Text kein Wort. Hoher Blutdruck gilt als starker Risikofaktor für Gefässkrankheiten.
Tabakrauch gilt als Risikofaktor für hohen Blutdruck. -
Auch der aktuelle Blutdruck war bei
hohem Cotinin geringer. -
Diabetes trat bei hohen
Cotininwerten deutlich seltener auf. Noch erhellender ist
Tabelle 2: -
Fibrinogen: -
Homocystein: -
Weisse Blutkörper: -
Bereits ohne Cotinin liegen die
gemessenen Mittelwerte für Fibrinogen und Homocystein bereits in der Nähe
der eingangs erwähnten Obergrenzen. Was besagt also diese
Studie? Genau genommen gar
nichts, so wie die meisten Studienergebnisse. Ausser, dass man durch nicht
veröffentlichte „Adjustments“ und geeignete Berücksichtigung von
Confoundern die Ergebnisse beeinflussen kann. Untersucht wurde ein
erdachter Risikofaktor für andere unbelegte Risikofaktoren. Im Juni 2007 Werner Paul
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